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Feuilleton Dienstag, 16. Dezember 1997

Porträt

Von Ronald Schäfer

Gitarrist für alle Tonarten: Der Italo-Berliner Carlo Marchione

Die Geschichte ist kurz und trug sich jüngst in einem Hotel in Kuba zu. Eine heitere Runde von Musikern hatte sich gefunden, darunter der renommierte Gitarrist David Russell, der meinte: "Hier gibt es einen Mann, der alle Stücke in allen Tonarten spielen kann." "Unmöglich!" warfen die anderen ein. So forderte man den italienischen Gitarristen Carlo Marchione auf, die Ouvertüre zur Oper "Carmen" von Georges Bizet in G-Dur zu spielen. Er tat's - und dann noch einmal: diesmal in D-Dur.

Marchione, 1964 in Rom geboren, gilt in Fachkreisen als einer der begabtesten Gitarristen der jüngeren Generation. Seit vier Jahren lebt der einstige Schüler von Mario Gangi an der Seite seiner holländischen Frau, die ebenfalls Gitarristin ist, in Berlin. Über fehlende Auftrittsmöglichkeiten kann Carlo Marchione derzeit nicht klagen: In den letzten vier Monaten hat er 28 Konzerte gegeben. "Nun wäre doch einmal an Urlaub zu denken", meint Marchione - "natürlich nicht ohne Gitarrenkoffer."

Warum lebt er in Berlin? "Hier habe ich die Hoffnungauf ein besseres Leben. Nicht in ökonomischer Hinsicht, weil mir in Italien ein Platz als Lehrer an einer Hochschule sicher gewesen wäre. In Deutschland aber spielt die Kultur, mehr als in meiner Heimat und anderswo in Europa, eine bedeutende Rolle." Das florierende Kulturleben in Deutschland hat allerdings auch eine Kehrseite. Das Publikum ist, gerade in Berlin, ausgesprochen wählerisch. Die Konzertgitarre gehört momentan nicht zu den Favoriten unter den Instrumenten. Selbst namhaften Musikern wie Pedro Soler, Pepe Romero und Eliot Fisk fällt es schwer, die Säle zu füllen.

"Natürlich", merkt Marchione dazu an, "weht hier ein rauher Wind." Die Gitarre dümpele, nimmt man das Publikumsecho als Meßlatte, derzeit vor sich hin wie ein Schiff in der Flaute. Schuld hätten die Gitarristen aber auch selbst, die häufig nur die Kollegen Isaac Albeniz, Enrique Granados und Joaquin Rodrigo kennen: "noioso", einfach langweilig.

Das Repertoire des altehrwürdigen Andrés Segovia ist - "bei allem Respekt" - seine Sache nicht. Marchione befindet sich immer auf der Suche nach neuen Stücken, stellt Programme aus Bekanntem und weniger Bekanntem zusammen. So auch am Mittwoch um 20.30 Uhr im Kulturhaus Mitte, Rosenthaler Str. 51: Neben Ohrwürmern von Dionisio Aguado und Agustin Barrios Mangoré spielt er Etüden seines Lehres Mario Gangi und die dreisätzige "Sonata" von Leo Brouwer.

(Ronald Schäfer, 16 Dezember 1997)

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